Campus Bockenheim. Eine große verschenkte Chance

Gesellschaftliche Nutzungsinteressen zählen nicht.

Seit fast zwei Jahrzehnten ist klar, dass das Campus Areal in Bockenheim nicht mehr zur Universitätsnutzung gebraucht wird,  auch wenn der Umzug auf den Westend Campus auch 2019  noch nicht komplett ist. Für Bockenheim ist dies ein Einschnitt. Der Stadtteil Bockenheim hat einen wichtigen Teil seiner Identität aus der Tatsache bezogen, das hier die Universität seit 1905 präsent war. Die Wohnbevölkerung war und ist auch stark durch Studierende und Universitätsmitarbeiter geprägt. Mit den Arbeitenden aus dem früheren Industriegebiet hat dies eine soziale Stadtteilstruktur ergeben, die lebendig, vielfältig und vielseitig ist. 

Das große Interesse vieler Bürger und Institutionen, an der Mitgestaltung der Zukunft des Campus Bockenheim hat sich in vielen Aktivitäten und Enwickeln von Vorschlägen niedergeschlagen. 

Die Stadt Frankfurt hat dem formell Rechnung getragen indem sie 2010 und 2012 mit von ihr und der ABG Holding veranstaltenten Bürgerdialogen, Veranstaltungen und Planungswerkstätten ein Diskussions - und Partizipationsangebot an die Bockernheimer gemacht hat. Hier jedoch wurde ein großes Bürgerengagement mißachtet und zur totalen Scheinbeteiligung degradiert. 

Die Privatisierung der öffentlichen Grundstücke ging weiter,fast der komplette Bereich Campus Süd wurde ein Investoren verkauft, hier enstehen Wohn-Hotel und Luxus-Büro Türme. 

Das Geschacher um Nutzung des mitteleren Campusbereichs durch die Hochschule für Musik - und Darstellende Kunst zwischen Stadt und Land geht weiter. Auch gibt es für diesen Bereich noch keine ernsthafte Planung für Wohnen oder Kultur. 

"Kulturcampus" alles bisher eine große Seifenblase.

Das Studierendenhaus samt dem dortigen Studentenwohnheim und der Unikita bleibt allerdings (wie es weiter betrieben und finanziert wird ist immer noch unklar) Der Abriss des Philosophicums und des Studentenwohnheims an der Bockenheimer Landstraße, die zu Beginn der Planung als gesetzt galten sind vom Tisch.

Auch wenn durch die Privatisierung des Philosophicum ein gemeinschaftliches Wohnprojekt von der Mehrheit des Magistrats verhindert wurde und gleichzeitig durch einen vorgesetzten Bauriegel der Denkmalschutz des Gebäudes ad absurdum geführt wurde.  Das Wohnen in diesem Gebäude ist ausschließlich für finanzkräftige SIngles möglich. 

Ein weiterer Punkt auf dem Campus Areal , wo alle Versprechungen der Politik in die allerletzt

e Reihe geschoben wurden, sind die Schaffung bezahlbaren Wohnungen, gemeinschaftliches Wohnen und die sozialen Infrastruktur für ein neues Quartier. Die Festlegung des Bebauungsplans sieht auf dem Areal 40% Wohnen vor. Ausser hochpreisigem Wohnen wie am Depot und im Philosophcum sind hier keine Wohnungen in Sicht und auch keine Wohnungen bisher geplant. Außer im Südlichen Bereich Luxuswohnungen .im "forty one"dem Wohnen-und Luxus Hotel im 140 m Turm 

Und das alles auf einem früheren Gelände des Landes Hessen und in Folge der Stadt. Wer braucht da noch Investoren?

Das ist der bisherige Stand

In den Planungswerkstätten wurde gerade das Grundstück an Ecke Bockenheim Landstraße/Zeppelin Allee als gute  Verbindung zwischen den Kulturinstitutionen auf dem nördlichen Campus (Depot, Bibliothek, Dondorf und eine von der Musikhochschule geplante Halle) und dem südlichen Teil angesehen. Während das Land Hessen mit der Festlegung, neben dem Depot einen 1. Bauabschnitt für die Musikhochschule zu starten und noch in diesem Jahr einen Architektur-Wettbewerb auszuschreiben, einen guten Schritt in die richtige Richtung macht, droht der Verkauf nun, den großen Wurf, für den sich BürgerInnen und Kulturinstitutionen in den Planungswerkstätten einsetzten, zunichte zu machen. Alles was jetzt privatisiert wird, steht für eine integrierte Planung und die Vision eines bunten und sozialen Quartiers nicht mehr zur Verfügung.

Auch alle Zusagen über bezahlbaren Wohnraum beziehen sich dann immer nur auf die restlichen Flächen. 30 % wurden hier immer wieder angekündigt. Aber bereits beim ersten Bauabschnitt neben dem Depot wurde unmissverständlich klar gemacht, dass die Teile, die bereits vorab privatisiert werden (hier in einer sog. „joint venture“ mit der GWH), davon unberührt bleiben. Die 30 % gelten immer nur für die Bereiche, die nicht verkauft werden.

Auch im südlichen Bereich (AfE Turm), wird wohl darauf spekuliert, dass die Grundstücke, die in den letzten Jahren in der Krise für Investoren nicht interessant waren, jetzt durch den Immobilienboom gut verkäuflich sind. Hier soll verkauft werden, bevor der Immobilienboom, der insbesondere in Frankfurt zu einer Überhitzung der Märkte führte, vorbei ist. Dass mit dem geplanten Büroturm (140m) der bereits immense Büroleerstand in der Stadt weiter vergrößert wird, wird bewusst in Kauf genommen – eine stadtplanerische Kapitulationserklärung, welche die ohnehin schwierigen Bemühungen um Konversion von Büroflächen in Wohnraum massiv konterkariert. Zu diesen Grundgedanken sagen wir NEIN.

Gesellschaftlich gibt es kein Interesse an dem Verkauf öffentlicher Grundstücke an private Investoren. Die Stadt klagt öffentlich darüber, dass zum Bau von Wohnungen und für Soziale Einrichtungen gerade die Grundstücke fehlen. Die Verfügung über Grundstücke ist eine der Voraussetzungen für ein selbstständiges Agieren der Stadtregierung zur Versorgung der Stadtgesellschaft mit Wohnungen und wichtigen öffentlichen Einrichtungen. Dass die politischen Organe der Stadt Frankfurt sich zurzeit im öffentlichen Streit hinter das Schild ABG Holding flüchten, ändert nichts daran, dass sie als Souverän auch die Verantwortung und Weisungsbefugnis für diese städtische Gesellschaft haben. Die Chance, hier angesichts wachsender Wohnungsnot den größeren Teil der Grundstücke auf dem Campus für Wohnungsbau zu nutzen, und zu einem großen Teil für die geförderten Bauvarianten (1. und 2. Förderweg), auf die mittlerweile sehr viele Menschen in Frankfurt Anspruch haben, muss genutzt werden.

Schlussfolgerungen

  1. kein Verkauf von öffentlichen und ABG eigenen Grundstücken auf dem Campus Bockenheim und in der Stadt Frankfurt!
  2. Für den Wohnungsbau soll 50 % der Fläche zur Verfügung stehen. Soziale Einrichtungen wie Kitas und Horte sowie studentisches Wohnen sind bedarfsorientiert einzuplanen.
  3. Die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst soll auf den Campus Bockenheim kommen. Die Stadt soll endlich Anstrengungen unternehmen, Grundstücke auf dem mittleren Campus dafür vorzusehen und mit dem Land Hessen zu kooperieren. Alle Akteure sollen Verantwortung übernehmen und kein würdeloses Herumgeschiebe der Verantwortung betreiben.
  4. DIe auf dem Areal sich ansiedelnde Wohnbevölkerung braucht eine soziale Infrastruktur, die jetzt geplant und in Angriff genommen werden muss: eine Grundschule und ausreichend Kitaplätze von 1 bis 6  ist hier sehr gut möglich. NIcht möglich ist, die Deckung des hier entstehenden Bedarfs an Schule und Kitas im Kerngebiet, das jetzt bereits z.b, in der Franckeschule an der absoluten Grenze der Aufnahmefähigkeit arbeitet.
  5. Offene Räume für gesellschaftliches und kulturelle Aktivitäten der Bürger dieser Stadt sollen von der Stadt gefördert werden. Das Studierendenhaus gehört dazu.
  6. Die denkmalgeschützten Bestandsbauten müssen erhalten bleiben. Universitätsbibliothek, Philosophicum und Studentenwohnheim sind wichtige Bauwerke, die über ihre geschichtliche Bedeutung hinaus hohen funktionalen Wert haben. Alle Bestandsbauten benötigen eine Bewertung ihrer Konversionsfähigkeit. Geht Konversion vor Abriss und Neubau, ist ersterer im gesellschaftlichen Interesse der Vorzug zu geben.
  7. Die Stadtverordneten und der Magistrat der Stadt Frankfurt haben die Verantwortung für die Politik der ABG Holding und müssen das Interesse der BürgerInnen an bezahlbaren Wohnungen, sozialer Versorgung und an Bildung und Kultur sowie an einer umweltverträglichen Bebauung des Campus vertreten.